| Die Elblandfestspiele 2007 in Wittenberge waren eine Reise wert! Dieses „Reich der heiteren Muse“ findet mittlerweile nun schon zum achten Mal statt, und zählt zu einem Kultstatus internationalen Zuschnitts. Hier wurde im wahrsten Sinne des Wortes das Publikum mit einer märchenhaften rauschen-den Ballnacht verzaubert. Mit Melodien von Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Robert Stolz, Ralph Benatzky, Carl Millöcker, Franz Grothe, Paul Lincke und - nach einer Pause von 40 Minuten - mit Melodien von Johann Strauß. Wiener Operettenseeligkeit mit deutschem Charme, diesmal ohne Wiener Schmäh, aber mit einer absoluten Perfektion, überzeugte mit Melodien aus Operette und Film. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten - hier agierte nicht nur eine ausgezeichnete Sängerriege, sondern auch hervorragende Tänzer/-innen, die noch an die gute alte Zeit des deutschen Fernsehballetts erinnerten. Es war nicht nur ein Ohren- sondern auch ein ausgesprochener Augenschmaus, der die Augen des Publikums zum Leuchten brachte, als das Showballett in den farbenprächtigen Kostümen auftrat. Die heitere Bühnenkunst entpuppte sich zu einer wahren Operettenshow, und selten habe ich Operettenmelodien so lebendig erlebt wie in Wittenberge. Da möge noch einer behaupten, die deutschen Kollegen verstehen nichts von der Operette! Unter der musikalischen Leitung von Heinz Walter FLORIN und dem Deutschen Film-orchester Babelsberg erlebte man ein eigenes Klangerlebnis, das alle Dimensionen sprengte. Schwungvoll und mit ungeheurem Temperament kam hier jeder musikalische Ohrwurm voll über die Rampe, bei dem einem das Stillsitzen offensichtlich manchmal sehr schwer fiel.„Joj, Mamam, Bruderherz…“ - hier wurde wahre Operettenlaune vermittelt, und selbst Yvonne Kálmán, die eigens aus Los Angeles anreiste, schien an diesem Abend in den schönsten Er-innerungen an ihren Vater, dessen 125.Geburtstag gefeiert wurde, geschwelgt zu haben. Natürlich wurde auch Ralph Benatzkys 50.Todestag gebührend gedacht, als auch des 100. Ge-burtstages der legendären schwedischen Filmdiva Zarah Leander, die wiederum ihre Karriere dem legendären Filmkomiker und Operettenbuffo Max Hansen zu verdanken hatte, der sie 1936 am Theater an der Wien in Benatzkys „Axel an der Himmelstür“ sozusagen entdeckte. Abgesehen von den vielen bekannten Operettenmelodien und den bekannten Filmschlagern von Franz Grothe, glänzte dieser Abend durch ein unvergleichbares Staraufgebot. Da über zeugte zunächst Blondschopf Maxi ARLAND durch viele Fernsehshows zum „Fernsehlieb-ling“ avanciert, der mit einem unvergleichbaren Charme die Operettengala moderierte. Als Chansonsängerin par excellence brillierte Daniela ZIEGLER. Mit blitzsauberen Koloraturen überzeugte die junge Dänin Lisa TJALVE, insbesondere mit dem Lied „Musikanten sind da“ von Franz Grothe, nach dem es natürlich auch nicht an Bravis fehlte. Preisträgerin Alenka GENZEL überzeugte mit dem Lied „Singend, klingelnd ruft dich das Glück“ von Robert Stolz und erinnerte stimmlich an Rita Streich in jungen Jahren. Technisch absolut sicher war auch Nicole MÜHLE mit der Bravourarie „Ich schenk mein Herz“ aus der Dubarry von Carl Millöcker. Bekannt aus vielen TV-Galas sang sich die Sopranistin Deborah SASSON in die Herzen des Publikums. Anke LAUTENBACH überzeugte mit Musikalität und überaus mitreißender Ausstrahlung. Ebenbürtig waren auch die Herren Johannes KALPERS, ein charismatischer Tenor, der inzwischen zu den beliebten Sängern dieses Genres in Deutschland zählt und selbst noch nach der Vorstellung auf der Premierenfeier bravouröse Spitzentöne schmetterte. Frank MATTHIAS ist ein junger und begabter Bariton, der bei Elisabeth Schwarzkopf, Peter Schreier und Harry Kupfer studierte und die Gäste in Begeisterung versetzte. Aber auch der Sohn der berühmten Sängerin Celestina Casapietra und des großen Dirigenten Herbert Kegel, Björn CASAPIETRA, zeigte darstellerische und sängerische Vielseitigkeit. Doch was wären die Festspiele ohne Heiko REISSIG dem Initiator und künstlerischen Leiter des gesamten Teams? Der ideenreiche und kreative Sänger, Schauspieler und seit 8 Jahren Intendant der Elblandfestspiele, beweist sich nicht nur in der Regiearbeit als künstlerischer Tausendsassa, sondern agiert auch mit stimmlicher Präsenz und schauspielerischem Talent auf der Bühne. Er ist ein wahres Multitalent, der als jüngster Festspielintendant Deutschlands absolut Furore macht. Aufhorchen ließ auch Peter WIELAND , ausgebildet als lyrischer Opernbariton zählte er zu den bekanntesten Sängern in der Unterhaltungsbranche noch unter DDR-Zeiten. Er steht heute mittlerweile in Musicals auf der Bühne und ist jedes Jahr in der MDR-Fernsehshow „Weihnachten bei uns“ zu sehen. Ausgesprochen kaiserlich mit einer Pferdekutsche war sein Auftritt, und selten so schön gesungen und interpretiert wurde das Kaiserlied. Da hatte er sich den Applaus verdient - denn seine Majestät hätte es wirklich sehr gefreut, und überzeugender wie Wieland hätte ein Kaiser wohl kaum sein können. Der Stargast des Abends, Ks. Johannes HEESTERS , wurde natürlich nach der Pause bereits vom Publikum mit großer Spannung erwartet. Der Grandseigneur des Theaters begeisterte mit seiner Paraderolle des Danilo und erzeugte eine rührselige Stimmung mit dem neuen Lied von Günther Behrle „Ich danke Gott für all' die schönen Jahre“. Minutenlanger frenetischer Applaus und Standing Ovations allein für Heesters. Als am Schluss mit dem Finale „Es war eine rauschende Ballnacht“ von Heiko REISSIG und nach den Klängen von Paul Lincke „Das macht „Wittenberger“ Luft, Luft, Luft! aus voller Kehle der einzelnen Solisten erklang und das Showballett, die „Energy Dancers“, in ihren prachtvollen Kostümen noch einmal über die Bühne rauschten, da war das Publikum nicht mehr aufzuhalten. Immer wieder rief es "Zugabe, Zugabe", lief nach vorne zur Bühne und applaudierten 30 Minuten lang den großartigen Solisten, dem Orchester und dem Ballett. Es lohnt sich, nach Wittenberge zu fahren, nicht nur um den künstlerischen Hochgenuss zu erleben, sondern auch der Freundlichkeit der Menschen zu begegnen. Kammersängerin Renate HOLM , die künstlerische Schirmherrin der Elblandfestspiele 2007, musste leider kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen, und wurde durch die Ks. Brigitte EISENFELD von der deutschen Staatsoper Berlin würdig vertreten. Alle, die an diesem Abend des 21.Juli 2007 nicht live dabei waren, können diese rauschende Ballnacht am 29.Juli 2007 um 20,15 Uhr im rbb-Fernsehen miterleben. Viel Vergnügen und gute Unterhaltung! |