| Auch wenn Sie sich am vergangenen Wochenende beinahe den Titel „Wittenberger Wasserspiele „erarbeitet hätten – die mehr als 3500 Besucher des Operettenfestivals ließen sich von Petrus nicht schrecken und erlebten eine tolle, neunte Auflage. Wittenberge. „Schneewittchen ist nicht zu sehen, aber zu hören: Die achtjährige Ponydame aus Weisen gehört zu den mitteilsamen Vierbeinern, wiehert hin und wieder ungefragt sehr laut. Ansonsten bringt das Pferdchen aber alle Vorzüge mit, die man für eine Bühnenkarriere braucht: Sie ist im besten Alter, ein optischer Leckerbissen, erprobt in Stresssituationen. Ponycoach Andrea Beetz vom Reit- und Fahrverein Uenze wurde angesprochen wegen eines geeigneten Pferdes für einen Part, den Tina Tandler bestritt. Sie sang „Ich hab ein kleines Pony“ aus der musikalischen Komödie „Das Feuerwerk“, hielt Schneewittchen dabei am Zügel. Alles lief reibungslos, Pferd und Sängerin ernteten tosenden Applaus. Es war einer derjenigen Beiträge, die das gesamte Programm verjüngten. Zur Operette gesellten sich in diesem Jahr Musicalhits, wie „I feel pretty“ aus der West Side Story, Schlager, wie „Du hast den Farbfilm vergessen“ und Filmmusik wie die Titelmelodie aus „Mission Impossible“ oder der Raiders March aus „Indiana Jones“. Operettenohrwürmer und Arien, wie „Oh mio babbino caro“ aus Puccinis Oper „Gianni Schicchi“ – mit Gänsehautfeeling interpretiert von Anna Maria Kaufmann – komplettierten den Ohren- und Augenschmaus. Dass die Pause zwischen Teil 1 und 2 alles andere als geruhsam verlaufen wird, ahnen die insgesamt mehr als 3500 Zuschauer an beiden Abenden nicht. Die Marching-Band „Venusbrass“ aus Berlin heizte dem Publikum so richtig ein. Bettina Wauschke (Tuba, voc.), Edith Steyer (Saxofon), Tanja Becker (Posaune), Katrina Martinez (Bassdrum) und Lizzy Scharnofske (Snaredrum) mischten sich unters Volk, sorgten an den Getränkeständen und –zelten dafür, dass kein Auge trocken blieb. Zu beginn des zweiten Teils eroberten die Damen mit ihrer ebenso skurrilen wie virtuosen Show dann auch noch die Bühne. Addiert man ihre Einlagen von der Preußischen Kaffeetafel am Samstagnachmittag, erhält man als Summe das, was sich „heimlicher Publikumsliebling“ nennt. Was am Wochenende leider keiner der noch so hochkarätigen Künstler und noch so rührigen Helfer vermochte: das Wetter im Zaum halten. „Yvonne“, ein Sturmtief aus Skandinavien, trieb ohne unterlass schwarze Wolken über die Elbe und schaffte es an beiden Abenden, die Show jeweils kurz nach ihrem Start in einer Unmenge von Wasser zu ertränken. Der größte Teil des Publikums nahm´s gelassen, hatte sich gut gerüstet, trotzte den Güssen mit Schirmen, Capes und riesigen Abdeckfolien, wartete geduldig, bis der Regen nachließ und die Bühne wieder trockengewischt war. „Das ist halt open air“, fasst Bodo Rückschlag, geschäftsführender Vizepräsident der Gesellschaft Elblandfestspiele e. V., zusammen. Wie wahr. |